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23.11.2007 Lausitzer Rundschau
Erster Marktplatz: Mehr als 50 Vereinbarungen zwischen Gemeinnützigen
und Unternehmen geschlossen
Zeit für gute Geschäfte in Cottbus
Bieten Vereinsraum, suchen Kulturprogramm – bieten
Computer, suchen Transporter: So ging es gestern Nachmittag
in der Alten Chemiefabrik zu. Auf dem ersten Cottbuser Marktplatz
wurde gehandelt. Unter einer Bedingung: Gemeinnützige
Einrichtungen und Unternehmen durften dabei nicht über
Geld reden.
Büroausstattung gegen
Mieterfest-Umrahmung: GWG-Sprecherin Antje Schrader (l.) ist
mit dem Flüchtlingsverein ins «Geschäft»
gekommen.
Mehr als 33 gemeinnützige Organisationen und 26
Unternehmen waren dem Aufruf der Cottbuser Freiwilligenagentur
gefolgt. Sie wollten auf dem ersten Cottbuser Marktplatz neue
Partner kennen lernen und Know-how tauschen.
So wie der Jugendhilfe-Verein. Kathrin Haack und Mathias Heyn
hatten genaue Pläne: Sie böten Hilfe für einen
Tag und bräuchten einen Transporter, mit dem sie viel
Sand fortbewegen könnten, und eine Strickleiter fürs
Kindersportfest. «Das Schöne am Marktplatz ist,
dass wir mal nicht als Bittsteller auftreten» , beschrieb
Kathrin Haack treffend die Marktplatz-Idee, «sondern
etwas austauschen.»
Karen Wichmann, Projektleiterin Unternehmenskooperationen
bei der Freiwilligenagentur, strahlte. Ihre monatelangen Vorbereitungen
haben sich gelohnt. Im Vorjahr hatte sie gemeinsam mit Agenturchefin
Ramona Frantze-Hartmann einen Marktplatz in den Niederlanden
besucht – von dort stammt die Idee dieser ungewöhnlichen
Kontaktbörse. Sie hatte dann Unternehmen akquiriert und
Workshops zur Ideenfindung organisiert. Bisher arbeitet die
Freiwilligenagentur mit Ehrenamtlichen zusammen. Dass sie
nun auch Kontakt zu Unternehmen sucht, sei eine neue Aufgabe
von Freiwilligenagenturen, betonte Ramona Frantze-Hartmann.
Nach einer guten halben Stunde waren 15 Vereinbarungen getroffen.
Die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) hatte
zwei Computermonitore und acht Bürostühle dem Cottbuser
Flüchtlingsverein vermacht. Diese seien übrig und
erfüllten so «einen richtig guten Zweck»
, sagte Antje Schrader. Und die GWG hat für ihr Mieterfest
im kommenden Jahr gleich ein Kulturprogramm gebucht. «Und
zwar jemanden, den man jetzt persönlich kennt»
, freute sich die PR-Assistentin.
Knappe 90 Minuten wurde gehandelt, dann waren viele Wünsche
erfüllt. Mehr als 50 Vereinbarungen wurden geschlossen.
Die Unicef-Arbeitsgruppe hatte auf ihrem Werbeschild «suchen
Drucker» gestrichen, die Theatergruppe Sachsen-Dreyer
mit dem Förderverein vom «Pfiffikus» vereinbart,
dass sie Schminkkurse gibt und das Kinderensemble im Gegenzug
zwei Kostüme näht. Die Lebenshilfe-Werkstätten
«Hand in Hand» werden der Call- und Servicecenter
GmbH ein Probe-Abo für Biotüten zukommen lassen
und dafür einen dreiwöchigen Praktikumsplatz zur
Verfügung stellen. Die Jugendhilfe-Mitarbeiter Kathrin
Haack und Mathias Heyn hatten zwar ihre Wunsch-Spedition nicht
auftreiben können, aber dafür einen guten Tipp bekommen,
wer ihnen einen Lkw mit Ladearm ausborgen kann. Die Strickleiter
fürs Kindersportfest ist gebucht, wie Heyn erzählte.
Projektleiterin Karen Wichmann freute sich, «in viele
zufriedene Gesichter zu schauen» . Das sei jetzt schon
Ansporn für den zweiten Marktplatz im nächsten Jahr.
von Sybille von Danckelman |
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